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Einen Verlag gründen: Warum ich die GORGONEION Press gegründet habe

Pierre Paul Prud’hon: Justice and Divine Vengeance Pursuing Crime

[Disclaimer: Ich bin kein Jurist und die im Artikel aufgeführten juristischen Punkte stellen nichts anderes als die Erfahrungen und Meinungen eines juristischen Laien dar. Google-Recherchen machen einen da auch nicht schlau. Fragen Sie also im Zweifel einen Rechtsanwalt, statt sich auf Infos im Internet zu verlassen.]

Fisch oder Fleisch?

Als Selfpublisher mit eigenem Verlag befindet man sich in der ziemlich schizophrenen Situation, sowohl Autor als auch Verleger zu sein. Früher war es so: Der Autor schreibt die Bücher, der Verleger/Verlag macht den Rest. Saubere Arbeitsteilung. Jeder wusste, was er zu tun hatte. Früher war es auch fast gar nicht anders möglich. Wobei, Ausnahmen gab es schon immer:

Wer selfpublished, tritt in große Fußstapfen

Der bekannteste deutsche Selfpublisher - bevor Amazon das Selfpublishing durch den Kindle quasi "neu erfunden" hat - dürfte Johann Wolfgang von Goethe sein:

Ende 1771 brachte er – innerhalb von sechs Wochen – die Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand zu Papier. Nach einer Überarbeitung wurde das Drama 1773 als Götz von Berlichingen im Selbstverlag veröffentlicht.

(Weitere erfolgreiche ursprüngliche Selbstveröffentlichungen sind die Teenage Mutant Ninja Turtles oder die Comic-Buchreihe Cerebus the Aardvark.)

Selfpublishing gab es quasi schon immer: Schon immer waren die Leute in der Lage, auf dem einen oder anderen Weg ihre Bücher selbst herzustellen bzw. drucken zu lassen. Das Problem bestand immer darin, seine Bücher auch an die Leser zu bringen. Dafür mussten die Bücher in den (Buch-)Läden stehen und der gängige Weg war halt meist der Weg über einen Verlag, der einem diese Arbeit abnimmt.

(Oder man ist halt eben selber mit einem Stapel Bücher unterm Arm von Buchladen zu Buchladen gepilgert.)

Durch Internet, Print on Demand, eBooks und Online-Shops fällt der Zwischenschritt über einen Verlag quasi weg

Um heutzutage ein Buch an die Leser zu bringen, reicht es - theoretisch, sehr theoretisch - aus, sein Buch in die Online-Shops hochzuladen. Dort kann es dann jeder kaufen, der einen Internet-Anschluss besitzt. Der Zwischenschritt über einen Verlag fällt somit weg. Sie müssen das fertige Buch also nur noch schreiben. Und auf Fehler prüfen. Und den Text setzen. Und ein Cover machen. Oder jemanden finden, der Ihnen diese Aufgaben abnimmt.

Als Selfpublisher sind Sie für alles zuständig: Das Buch will geschrieben sein, die Rechtschreibung will geprüft sein, der Text will gesetzt werden (insofern Sie auch ein gedrucktes Buch anbieten wollen), darüber hinaus braucht das Buch noch ein Cover und will irgendwie in die Shops kommen. Jeder dieser Punkte kann natürlich an andere Personen outgesourced werden. Trotzdem: Sie wären für dieses Outsourcen zuständig, die Koordination mit den Leuten, die Einhaltung von Absprachen (Verträge) etc. Wie ein "richtiger" Verleger halt.

(Der Gedanke, ein Buch zu veröffentlichen, das man nicht selbst geschrieben hat, mag dem Gedanken des Selfpublishing auf den ersten Blick widersprechen, aber denken Sie hierbei z. B. mal an urheberrechtsfreie Texte oder das im wissenschaftlichen Bereich verbreitete Prinzip des Ghostwriters.)

Haben Sie das alles hinter sich gebracht, laden Sie ihr Buch in die Shops hoch und bieten es zum Verkauf an.

Und wer in Deutschland eine Tätigkeit mit Gewinnerzielungsabsicht betreibt ...

... sollte i. d. R. ein Gewerbe anmelden. Ich formuliere das deshalb so schwammig, weil für die freien Berufe, wie z. B. Autoren i. d. R. keine Pflicht besteht, ein Gewerbe anzumelden. Diese Info hilft uns aber nicht wirklich weiter, denn:

Autor: Eine Person, die mit Schreiben ihr Geld verdient.

Verleger: Eine Person, die mit dem Verlegen von Büchern ihr Geld verdient.

Streng genommen verdiene ich mein Geld nicht durch das Schreiben von Büchen, ich verdiene mein Geld durch das Veröffentlichen von Büchern (und deren Verkauf). Bin ich Autor, schreibe ein Buch, veröffentliche und verkaufe es aber nicht, verdiene ich nichts. Bin ich Werbetexter, schreibe ich und verdiene Geld, ohne dass dabei ein Buch herauskommen muss. Veröffentliche ich ein Buch, ohne es selbst geschrieben zu haben - z. B. wenn ich die urheberrechtsfreie Version der Ilias veröffentlichen würde - verdiene ich trotzdem daran.

Das mag auf den ersten Blick wie Erbsenzählerei wirken, die Rechtslage ist aber - was das Selfpublishing betrifft - alles andere als eindeutig: Ob ich für meine Selfpublisherei wirklich ein Gewerbe anmelden muss, konnte mir auf Anfrage nicht mal das Gewerbeamt Stuttgart mit hundertprozentiger Sicherheit sagen - es ging davon aus und riet mir, ein Gewerbe anzumelden.

Und das ist der Hauptgrund, warum ich die GORGONEION Press gegründet habe: Um meine "Tätigkeit des Bücherschreibens mit Gewinnerzielungsabsicht" auf ein solides juristisches Fundament zu stellen und dieser unsicheren Rechtslage zu entgehen. Ohne diese unsichere Rechtslage hätte ich nur dann einen Verlag gegründet, wenn ich es wirklich hätte tun müssen.

Emblem GORGONEION Press
Emblem GORGONEION Press

"Einen Verlag gründen" hört sich aber weit aufwendiger an, als es eigentlich ist

Man füllt zwei Seiten Gewerbeanmeldung aus, knallt 50 Euro auf den Tisch und schon hat man seinen Verlag. Ach ja: Seine Steuererklärung macht man ab sofort selbst oder sucht sich einen Steuerberater: Irgendwelche Lohnsteuerhilfevereine machen das dann ab sofort nicht mehr.

Wer übrigens nur mal so nebenbei ein Buch veröffentlichen möchte, muss wohl nicht unbedingt gleich einen Verlag gründen oder ein Gewerbe anmelden: Eine einzelne Veröffentlichung dürfte kaum unter das Kriterium "Tätigkeit mit Gewinnerzielungsabsicht" fallen. Aber so was besprechen Sie im Zweifel lieber mal mit einem richtigen Rechtsanwalt.

Bildnachweis: Pierre Paul Prud’hon (1758–1823): Justice and Divine Vengeance Pursuing Crime (1808)

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